Bestände zu Konzentrationslagern online

Ansicht eines handgeschriebenen Gedichts im DFG-Viewer mit aufgeklebter Unterschrift Mühsams

Zu den Beständen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs gehören in kleinerem Umfang Unterlagen zu den Konzentrationslagern Oranienburg (Rep. 35 G), Sachsenhausen (Rep. 35 H) und Ravensbrück (Rep. 35 I). Die rund 140 Akten dieser drei Bestände können nun in der Archivdatenbank online eingesehen werden.

Unterlagen aus der Nachkriegszeit

Bei den Beständen handelt es sich um wichtige Zeugnisse zur Geschichte der Konzentrationslager, obschon es sich bei vielen der Akten nicht um die originären Verwaltungsunterlagen der Lager handelt. Erhalten sind in Teilen Häftlingsunterlagen und Dokumente der Verwaltung des Konzentrationslagers Oranienburg, das 1933 von der örtlichen SA eingerichtet und bereits 1934 wieder geschlossen wurde.

Mit der Akte Rep. 35G Konzentrationslager Oranienburg Nr. 11 findet sich jedoch auch hier ein in der Nachkriegszeit entstandenes Konvolut im Bestand, das ganz unterschiedliche Materialien zu dem anarchistischen Schriftsteller Erich Mühsam enthält. Mühsam, der während der Revolution im April 1919 zu den Initiatoren der Münchener Räterepublik gehörte, wurde 1934 im Konzentrationslager Oranienburg von der SS ermordet.

Erste Berichte von Überlebenden

Sterbeurkunde des Landwirts Johann Gerhard Garbade im DFG-Viewer
Sterbeurkunde des Landwirts Johann Gerhard Garbade im DFG-Viewer, schwarz-weiß Scan vom Mikrofilm

In den Beständen der Lager Sachsenhausen und Ravensbrück überwiegen Dokumente aus der Nachkriegszeit. Diese Lager unterstanden der SS, die kurz vor Kriegsende den Großteil der Unterlagen vernichtete oder an andere Orte verbrachte. Nach Kriegsende wurden erhaltene Unterlagen durch verschiedene Stellen gesammelt, zum Beispiel von Justizoffizieren der Roten Armee zur Vorbereitung von Prozessen oder auch vom Generalsekretariat der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“ (VVN). Auf diese Weise blieben im Bestand des Konzentrationslagers Sachsenhausen auch Sterbeurkunden von Häftlingen erhalten.

In größerer Anzahl enthalten die Bestände zu den genannten beiden Lagern jedoch Dokumente, die in der Absicht der Erinnerung oder der juristischen oder historiographischen Aufarbeitung nach Kriegsende entstanden. Dazu gehören die Berichte ehemaliger Gefangener der Konzentrationslager Sachsenhausen oder Forschungsberichte zu Außenlagern des Konzentrationslager Ravensbrück.

Ausschnitt aus einer Namensliste von Zeuginnen, die über das KZ Ravensbrück ausgesagt haben
Ausschnitt aus einer Namensliste von Überlebenden, die über das KZ Ravensbrück ausgesagt haben

Eine Geschichte der Lager lässt sich nur aus den Beständen des Landeshauptarchivs nicht schreiben, jedoch erhellen die nun veröffentlichten Unterlagen unter den skizzierten Einschränkungen wichtige Aspekte dieser Geschichte. Um die bereits verfilmten Originalakten zu schonen, wurden die Scans vom Mikrofilm erstellt und sind daher schwarz-weiß.

Informationen zu den einzelnen Lagern, zur Geschichte der Bestände und Hinweise auf weitere Archive, die Dokumente zu den drei Lagern bewahren, finden Sie in der Datenbank des Archivs:


Zur Geschichte der Lager Oranienburg und Sachsenhausen auf der Website der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten

Zur Geschichte des Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück auf der Website der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten