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Karten und Pläne digital zugänglich machen

Situationsplan der Bahnhöfe Berlin der Königlichen Niederschlesisch Märkischen Eisenbahn und der Ostbahn. Skizze zu dem Projekt für die östlichen Anschlüsse der Stadtbahn von 1877, BLHA Rep. 2A Karten 1094 A/ÜF

Karten, Pläne, Plakate und Zeichnungen – mit rund 230.000 Objekten verwahrt das Brandenburgische Landeshauptarchiv eine umfangreiche Sammlung großformatigen Kulturguts in seinen Beständen. Diese Vorlagen stellen besondere Anforderungen an ihre Nutzung und digitale Präsentation. In einem gemeinsamen Forschungsprojekt widmen sich das Brandenburgischen Landeshauptarchiv und die Fachhochschule Potsdam den konzeptionellen und technischen Fragen der Digitalisierung und digitalen Bereitstellung dieser besonderen Archivalien.

Planen, Scannen, Bereitstellen

Das Forschungsprojekt (2017-2018) ist Teil einer längerfristigen Kooperation des BLHA mit der Fachhochschule Potsdam unter dem Titel „Großformatige Archivalien – Digitalisierung und nachhaltige digitale Nutzung“. Ziel der Kooperation ist es, an der Schnittstelle von informationswissenschaftlicher Forschung und archivischer Praxis konkrete Verfahren zu entwickeln – vom Transport über das Scannen hin zur nutzerfreundlichen digitalen Bereitstellung.

„Die Digitalisierung von Groß- oder Überformaten ist immer auch eine Herausforderung an die Technik und Bearbeitung“, betont Julia Moldenhawer, Referatsleiterin für Digitalisierung im BLHA. „Wie können die empfindlichen Originale im Digitalisierungsprozess am besten geschont werden? Wie geht man mit den großen Dateien um, die beim Digitalisieren von Überformaten entstehen? Welche zusätzlichen Daten können die Benutzung erleichtern? Und wo sind diese digital verankert? Gerade in Hinblick auf die digitale Nutzung gibt es für mich keine vorgefertigte Erwartungshaltung – ich bin neugierig, welche Ideen die Studierenden entwickeln.“ Zunächst arbeiten die Studierenden an einer Auswahl von 103 Karten aus dem Bestand der Wasserstraßendirektion Potsdam (Rep. 57 WSD K 5117 A bis K 5219 A). Hinzu kommen Archivalien, die von Nutzerinnen und Nutzern angefragt werden.

Fallbeispiel: „Situationsplan der Bahnhöfe Berlin“

Wie die Digitalisierung der ungewöhnlichen Größen und hochempfindlichen Materialien in der Praxis aussieht, erproben die Studierenden anhand konkreter Objekte. Ein Beispiel ist der „Situationsplan der Bahnhöfe Berlin der Königlichen Niederschlesisch Märkischen Eisenbahn und der Ostbahn. Skizze zu dem Projekt für die östlichen Anschlüsse der Stadtbahn“ von 1877 – eine kolorierte Handzeichnung auf Pausleinen mit einer Breite von 1,4 Metern. Ein Nutzer hatte den Plan angefragt. Vom Bestandsverwalter und der Restaurierung des BLHA begleitet, wurde der detailreiche Plan im Digitalisierungslabor der Fachhochschule Potsdam auf einem Großformat-Archivscanner in drei Sektionen gescannt und anschließend zu einem Digitalisat zusammengefügt.

Um die Details des Gleisplans erkennen zu können, muss die Auflösung hoch sein – entsprechend groß sind die erzeugten Dateien. Julia Moldenhawer: „Das zusammengefügte Bild hat in einer akzeptablen Größe immer noch 68 Megabyte. Die lassen sich kaum schnell per E-Mail verschicken. Daher sollen auch die technischen Möglichkeiten und Workflows rund um das Speichern, Verknüpfen mit den Erschließungsmetadaten, Online-Stellen und nutzerorientierte Auffindbarkeit im Rahmen des Forschungsprojekts durchgespielt werden.“ Der Nutzer des Situationsplans war zufrieden. Er kann am Bildschirm in den Plan hineinzoomen, während das Original geschützt im Archiv liegt.