Toolbar-Menü

Online-Ausstellung: „Besitzen Sie Gemälde…?“ NS-Kunstraub in den Akten der Finanzverwaltung

- Erschienen am 13.04.2026
Besitzen Sie Gemälde - Online-Ausstellung

Eine Online-Ausstellung des Brandenburgischen Landeshauptarchivs zeigt anhand von sechs Schicksalen, wie die Reichsfinanzverwaltung den nationalsozialistischen Kunstraub ermöglichte. Die Ausstellung wurde am 13. April 2026 im Rahmen einer Podiumsdiskussion eröffnet.

Geschichten von Verfolgung und das Ringen um die Restitution

„Besitzen Sie Gemälde?“ – diese Frage mussten Jüdinnen*Juden kurz vor ihrer Deportation in einem Behördenformular beantworten.

Welche Rolle die Finanzverwaltung beim Raub von Kunst- und Kulturgütern spielte, und wie die historischen Dokumente heute dabei helfen, Verfolgungs- und Objektgeschichten zu rekonstruieren, veranschaulichen sechs Biografien in der Ausstellung.

Den Geschichten der Verfolgten gegenüber gestellt ist das weitgespannte Netzwerk jener, die sich am größten Raubzug der deutschen Geschichte beteiligten und davon profitierten – vom Nachbarn über die Gebrauchtwarenhändlerin bis zu den staatlichen Museen.

Die Perspektive der Angehörigen

Eine der sechs Biografien erzählt die Geschichte der Unternehmerfamilie Eisner – von der Flucht vor den Nationalsozialist*innen, den erfolglosen Versuchen Paul Jakob Eisners, nach 1945 einen Teil seines Besitzes wiederzuerlangen bis hin zur späten Restitution eines Stilllebens von Ludwig Adam Kunz an seine in England lebenden Erben im Jahr 2024.

Antony Easton, ein Großneffe Eisners, berichtete bei der Eröffnungsveranstaltung davon, wie er nach und nach die Geschichte seiner Familie erforschte und was ihm das restituierte Gemälde bedeutet: „Das Stillleben von Kunz ist ein lebendiges Werk, das die Zerstörung meiner Familie überlebt hat, und ich werde es mit großem Stolz an meine Wände hängen, damit es ihrem Andenken dient.“

„Die Ausstellung gibt einen tiefen Einblick in das entmenschlichende System des Nationalsozialismus und macht das Unrecht und das unermessliche Leid sichtbar, das insbesondere Jüdinnen und Juden zugefügt wurde“, erklärte Staatsminister für Kultur und Medien Wolfram Weimer. „Es bleibt unsere dauerhafte Aufgabe, Kulturgüter ausfindig zu machen, die Menschen während der NS-Zeit verfolgungsbedingt entzogen wurden, und ihre Rückgabe im Sinne der ‘Washingtoner Prinzipien‘ zu ermöglichen. Ich freue mich daher sehr, dass der Bund das Projekt finanziell unterstützen konnte – auch weil es deutlich macht, wie die Provenienzforschung durch eine systematische, KI-gestützte Auswertung digitaler Quellen weiter gestärkt werden kann.“

Digitalisierte Quellen ausgewertet

Das Brandenburgische Landeshauptarchiv verwahrt heute einen der größten Bestände an Dokumenten zur systematischen Enteignung verfolgter Menschen durch das NS-Regime. Das Team der Provenienzforschung am Landeshauptarchiv wertet rund 42.000 digitalisierte Akten aus.

„Die Ausstellung zeigt mit bedrückenden Beispielen, wie die Ausplünderung von Menschen bis in unsere Gegenwart nachwirkt", erklärte Mario Glauert, Direktor des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. „Die digitalisierten Akten der Finanzverwaltung verknüpfen sich mit Informationen anderer Sammlungen. Im Dialog der Daten können wir einzelne Verfolgungsschicksale und die verschlungenen Wege von NS-Raubkunst aufdecken.“

Link zur Ausstellung „Besitzen Sie Gemälde…?“ NS-Kunstraub in den Akten der Vermögensverwertungsstelle Berlin: https://raub-kunst-verwaltung.de/

Hintergrund

Die Onlineausstellung gibt Einblicke in ein quellenbasiertes Pilotprojekt zur Provenienzforschung im Brandenburgischen Landeshauptarchiv. Ziel des Projektes ist es, anhand von rund 42.000 digitalisierten Akten der Reichsfinanzverwaltung systematisch nach Hinweisen zu heutigen Standorten NS-verfolgungsbedingt entzogener Kunst- und Kulturgüter zu suchen. Die Provenienzforschung im Landeshauptarchiv setzt die Auswertung bis Ende September 2026 fort. Gestartet ist das Projekt im September 2019. Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien fördert das Projekt mit bis zu 4,41 Millionen Euro. Weitere Informationen dazu finden Sie unter https://blha.brandenburg.de/index.php/projekte/ofp-projekt/.

Das Brandenburgische Landeshauptarchiv (BLHA)

Das Brandenburgische Landeshauptarchiv ist das zentrale staatliche Archiv des Landes Brandenburg. Als Gedächtnis des Landes ist es zuständig für das Archivgut der Brandenburger Behörden und Einrichtungen – epochenübergreifend von der Mitte des 12. Jahrhunderts bis in die jüngste Vergangenheit. Zu seinen Aufgaben gehört es, das schriftliche Kulturgut des Landes Brandenburg zu übernehmen, zu bewahren und für die Gesellschaft zugänglich zu machen. Seine Überlieferung umfasst mehr als 50.000 laufende Meter Archivgut. Das Landeshauptarchiv ist eine nachgeordnete Einrichtung des brandenburgischen Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur.