Die Landesgründung in Dokumenten #03

Die Währungsunion – eine logistische Herausforderung


Durch die große politische Instabilität nach dem Fall der Mauer stiegen in der DDR die wirtschaftlichen und sozialen Probleme. Eine Zusammenarbeit mit der BRD schien unabdingbar, konnte jedoch wegen der schwierigen Regierungsbildung nicht vorangetrieben werden. Vonseiten der BRD kamen bereits im Februar 1990 erste Signale in Richtung einer Währungsunion. Doch erst nach der Volkskammerwahl, im März 1990 und der Bildung einer Großen Koalition Anfang April, unter der Führung von Lothar de Maiziere, konnten am 27. April 1990 offizielle Verhandlungen über eine Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion beginnen. Die Verhandlungen mündeten in einem Staatsvertrag, den Walter Romberg, Finanzminister der DDR, und Theo Waigel, Bundesfinanzminister, am 18. Mai 1990 in Bonn unterzeichneten. Dieses Ereignis wird heute noch als erster Schritt in die staatliche Einheit bezeichnet.


Mit Inkrafttreten des Staatsvertrages am 1. Juli 1990, wurde die D-Mark alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel. Um einer zu hohen Auslastung der Bankfilialen in der Umstellungsphase entgegenzuwirken, waren auch die Dienststellen der Deutschen Post der DDR in den Währungswechsel mit einbezogen.

Umtausch und Auszahlung waren jedoch nur mit einem gültigen Bankkonto bei der Sparkasse oder Post-Sparkasse möglich. Dies hatte zur Folge, dass alle DDR-Bürger*innen im Zuge der Währungsunion ein Bankkonto eröffnen mussten. Nach Erfüllung aller Voraussetzungen war ein Umtausch von 1:1 möglich. Dies galt bei Kontoguthaben für Personen bis 14 Jahre für bis zu 2.000, für Personen bis 60 Jahre für bis zu 4.000 und für Personen ab 60 Jahren für bis zu 6.000 DDR-Mark. Höhere Kontoguthaben wurden zum Kurs 2:1 gewechselt.


Eine große Herausforderung war neben den Auszahlungsmodalitäten auch der Transport des alten und neuen Geldes durch das ganze Land – nicht nur logistisch, sondern auch in Bezug auf das Risiko von Überfällen und Diebstahl. Daher sollte die Volkspolizei einen sicheren Transport gewährleisten, für Ordnung und Sicherheit an den Tagen der Auszahlung sorgen und Straftaten verhindern beziehungsweise verfolgen und aufklären.


Archivfakt
Die Postämter waren den Bezirksdirektionen der Deutschen Post nachgeordnet. 1990 wurde die Deutsche Post der DDR in die Deutsche Bundespost integriert; es entstanden die Direktionen Postdienst mit den nachgeordneten Postämtern. Mit der Privatisierung der Deutschen Post endete 1995 auch die Zuständigkeit der staatlichen Archive für die Übernahme ihrer Unterlagen.

Zu den Akten in der Online-Datenbank (Datensätze)

BLHA, Rep. 463 Deutsche Post, Bezirksdirektion Potsdam Nr. 2707

BLHA, Rep. 672 Volkspolizeikreisamt (VPKA) Beeskow Nr. 55

Weiterführende Quellen

BLHA, Rep. 888 Staatsbank der DDR, BD Cottbus Nr. 1655, Verfügungen zur Durchführung der Währungsunion

BLHA, Rep. 401 Bezirkstag und Rat des Bezirkes Potsdam Nr. 3392, Auswirkungen der Währungsunion

BLHA, Rep. 601 Bezirkstag und Rat des Bezirkes Frankfurt (Oder) Nr. 28025, Zusammenarbeit des Bereiches Finanzen der Bezirksverwaltungsbehörde mit übergeordneten Dienststellen

BLHA, Rep. 801 Bezirkstag und Rat des Bezirkes Cottbus Nr. 24478, Strukturanpassung von Handel und Gewerbe an die Marktwirtschaft

Bundesarchiv, Bestandsbezeichnung B 330 Deutsche Bundesbank

Weiterführende Informationen

Bundesstiftung Aufarbeitung: Währungs-, Wirtschaft- und Sozialunion.

Bahrmann, Hannes; Links, Christoph: Chronik der Wende 2. Stationen der Einheit. Die Letzten Monate der DDR. Berlin 1995.

Mitteldeutscher Rundfunk: Der Geldumtausch: D-Mark für alle, 2020.

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