Bibliothek

Die Bibliothek

Bild zeigt die Bibliotheksgalerien des BLHAAuf zwei Bibliotheksgalerien steht den Mitarbeitern und Besuchern des Hauses eine umfangreiche Spezialbibliothek zur Verfügung. Der Bibliotheksbestand umfasst rund 125.000 Büchern und Zeitschriften zu den Themen

• Brandenburgische Landesgeschichte und Allgemeine Geschichte
• Archivwissenschaft
• Rechts-, Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte
• Historische Hilfswissenschaften.

Die Präsenzbibliothek des BLHA steht allen Interessierten offen. Hier finden Sie unseren Online-Katalog.

Kontakt
Florian Seher (Leiter) und Gina Seliger
Tel. 0331 5674-257
E-Mail: Bibliothek@blha.brandenburg.de

Öffnungszeiten
Mo-Mi 8 bis 16 Uhr
Do 10 bis 18 Uhr
Fr 8 bis 14 Uhr

Die Bestände der Bibliothek

Die Bibliothek des Brandenburgischen Landeshauptarchivs arbeitet als zentrale Serviceeinrichtung für die Mitarbeiter und Benutzer des Hauses. Die Bereitstellung und Vermittlung zusätzlicher Informationen für Archivbenutzer ist die Hauptaufgabe der Bibliothek des Brandenburgischen Landeshauptarchivs, die auf Grund ihres eingeschränkten Sammelgebietes als Spezialbibliothek bezeichnet werden kann. Die Funktion von Fach- beziehungsweise Spezialbibliotheken ist von der Trägerinstitution abhängig und lässt sich für Bibliotheken in Archiven in die folgenden Aufgabenbereiche gliedern: 1. Bereitstellung fachlicher Literatur für die archivarischen Tätigkeiten (Erschließung, Bewertung, Auswertung, Archivtechnik) sowie für die wissenschaftliche Arbeit der Mitarbeiter des Archivs 2. Bereitstellung weiterführender bzw. ergänzender Literatur für die Auswertung der Archivbestände durch die Mitarbeiter und Benutzer des Archivs Sammlung und Erschließung sogenannter Grauer Literatur (Erscheinung außerhalb des Buchhandels), d. h. die Bibliothek übernimmt eine Archivfunktion für die amtlichen Druckschriften und für das Kleinschrifttum, das in den Zuständigkeitsbereich des Archivs fällt. Neben Ausleihe, Fernleihe, Beantwortung von Recherchen, Pflege von Zeitschriftenumläufen und die Zusammenstellung von Literaturlisten zählen Bestandsaufbau und weitere Bestandserschließung zu den wichtigsten Aufgaben der Bibliothek. Daneben bilden die begonnene Retrokonversion der Bibliothekskataloge und die dadurch mögliche Anbindung an den Kooperativen Bibliotheksverbund Berlin-Brandenburg (KOBV) sowie die Präsentation des Bestandes im Internet einen Schwerpunkt der Bibliotheksarbeit. Dabei ist es nicht zuletzt notwendig, die Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen wie der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam, dem Bibliotheksverband sowie anderen Archiven zu vertiefen. Der Bestandsaufbau erfolgt in erster Linie durch Ankauf, Geschenke, Tausch und die Übergabe von Belegexemplaren. Von den ca. 1000 Bänden, die jährlich als Zuwachs verzeichnet werden, kann nur rund ein Drittel angekauft werden. Bestellgrundlage dafür bilden Verlagskataloge, Bibliographien und andere Literaturverzeichnisse sowie spezielle Hinweise und Wünsche der Mitarbeiter des Archivs. Für die weitere Vervollständigung des Bestandes werden in begrenztem Umfang auch Angebote von Antiquariaten und Auktionshäusern genutzt. Nach dem Brandenburgischen Archivgesetz sind die Benutzer des Archivs verpflichtet, bei Veröffentlichung von Quellen aus dem BLHA ein Belegexemplar an dessen Bibliothek abzuliefern. Dieser Ablieferungspflicht wird leider oft nicht nachgekommen, so dass durch Mahnungen und Lieferkontrolle ein zusätzlicher Zeit- und Arbeitsaufwand entsteht.
Von diesen Arbeitsbereichen ausgehend, bilden die brandenburgische Landesgeschichte, die Archivwissenschaft und die Historischen Hilfswissenschaften die Hauptsammelgebiete für die Bibliothek des Landeshauptarchivs. In der ersten Bibliotheksordnung aus dem Jahr 1955 sind folgende Sammelschwerpunkte genannt: 1. Brandenburgische Landesgeschichte, 2. Deutsche Geschichte, 3. Wirtschaftswissenschaften, 4. Rechtswissenschaften, 5. Verwaltungskunde, 6. Archivkunde, 7. Historische Hilfswissenschaften, 8. Fachliteratur zu Nachbargebieten (Bibliothekswesen, Museumskunde usw.), 9. Gesellschaftswissenschaftliche Literatur. Diese Sammelgebiete haben sich in den folgenden Jahren, in ihrem Kern kaum geändert. Allerdings hatte insbesondere die in der ehemaligen DDR vorherrschende Orientierung der Historiographie auf die Geschichte der Arbeiterbewegung bestimmte Prioritäten und bestimmte Schwerpunktsetzungen zur Folge. Dies zeigte sich u.a. in der Bibliotheksordnung von 1976, die auf Grund der Verordnung über das staatliche Archivwesen (Gesetzblatt der DDR, Teil I. (1976), S. 165 174) erarbeitet wurde. Schwerpunkte waren: 1. Marxismus/Leninismus, 2. Marxistisch-leninistische Leitungswissenschaft, Wissenschaftliche Arbeitorganisation, Sozialistisches Arbeitsrecht, 3. Archivwissenschaft, 4. Geschichte des deutschen Volkes bzw. Geschichte der DDR mit besonderem Sammelschwerpunkt der regionalen Literatur über die Bezirke Cottbus, Frankfurt (Oder), Potsdam, Berlin, Hauptstadt der DDR einschließlich ihrer Vorgängerterritorien, 5. Geschichte der politischen Organisation der Gesellschaft - besonders Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, 6. Staat und Recht, 7. Historische Hilfswissenschaften, 8. Informatik. Diese ließen einen kontinuierlichen Bestandsaufbau nicht zu. Einerseits mussten politische Anforderungen erfüllt werden, andererseits durfte die eigentliche Aufgabe, die Sammlung und Bewahrung der landes- und regionalkundlichen Literatur, nicht vernachlässigt werden. Erschwerend kam hinzu, dass für die Beschaffung ausländischer Literatur, insbesondere westeuropäischer Titel, kaum Mittel vorhanden waren. Solche Bestellungen liefen über die Staatliche Archivverwaltung (BLHA Rep. 499 VWA Nr. 480) und waren nicht immer realisierbar. Durch regen Schriftentausch konnte zwar in den ersten Jahren, bis ca. 1970, ein Teil dieser Literatur beschafft werden, aber große Lücken machen sich heute noch schmerzhaft bemerkbar. Seit dem Umbruch 1989 konzentriert sich die Bibliothek wieder auf ihre eigentlichen Sammelschwerpunkte. So gehört die Literatur zur Geschichte Brandenburg-Preußens neben den Archivwissenschaften und den Historischen Hilfswissenschaften zur wichtigsten Erwerbungsgruppe. Den zweiten Schwerpunkt bilden die grundlegenden Nachschlagewerke zu einzelnen Fachgebieten sowie die Literatur zur Deutschen Geschichte und hier besonders zur DDR-Geschichte. Diese Literatur kann aber auf Grund der Fülle und des geringen Etats nur in Auswahl und darum nur gezielt angeschafft werden. Der Bestand der Bibliothek ist nach dem Prinzip des Nummerus currens aufgestellt, wodurch ein Katalog für seine Benutzung unbedingt erforderlich ist. Diese Zettelkataloge - es existieren zwei alphabetische Kataloge, ein systematischer Katalog sowie ein Standortkatalog - wurden bis 1975 nach den Preußischen Instruktionen geführt und ab 1976 nach den Regeln für die Alphabetische Katalogisierung (RAK) umgearbeitet. Im alphabetischen Katalog, der nach Verfasser- und Sachtitelschriften unterteilt ist, werden auch die vergebenen Schlagwörter verzeichnet. Der systematische Katalog ist nach einer hauseigenen Systematik gegliedert, die auf dem Grundprinzip der Dezimalklassifikation beruht. Die Systematik enthält acht Hauptgruppen, die in ihren Unterabteilungen nach den Bedürfnissen des Archivs gegliedert ist. 1. Allgemeines; 2. Wissenschaftskunde; 3. Allgemeine Wissenschaftsgebiete; 4. Staatswesen, Rechtswesen, Militärwesen; 5. Wirtschaft, Allgemeine Verwaltung; 6. Medizin, Gesundheitswesen, Sozialwesen; 7. Allgemeine Geschichte, Politikwissenschaft; 8. Deutsche Geschichte. Für das Hauptsammelgebiet, die brandenburgische Landesgeschichte, wurde eine zusätzliche Systematik erarbeitet, die sich an die Gliederung in der Bibliographie zur Geschichte der Mark Brandenburg anlehnt. Die formale Erschließung des Bestandes erfolgt seit 1994 über das Bibliotheksprogramm BIBLIOTHEKA III der Firma B.O.N.D.
Durch die Neugründung des Archivs nach dem Zweiten Weltkrieg besitzt die Bibliothek des Landeshauptarchivs keinen historisch gewachsenen Buchbestand. Erst 1951 begann der zielgerichtete Aufbau einer Archivbibliothek. Im ersten vorliegenden Zugangsbuch (für die Jahre 1967 - 1989 sind keine Zugangsbücher vorhanden, so dass für diese Zeit keine befriedigende Auskunft über den Bestandsaufbau gegeben werden kann) wurde am 10. März 1951 der Titel G. Homeyer: Deutsche Rechtsbücher des Mittelalters und ihre Handschriften. Weimar, 1931/1934 inventarisiert. Durch zahlreiche Übernahmen aus verschiedensten Institutionen, durch Geschenke und vor allem durch Ankäufe konnte der Bibliotheksbestand bis zum Jahr 1954 auf 15794 Bände ausgebaut werden. Beispielsweise wurden in den ersten Jahren neben den verschiedenen Lexika (z.B. J. Meyer: Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände. Hildburghausen, 1840 - 1853) und anderen Nachschlagewerken (z.B. Deutsches Wörterbuch von Jakob und Wilhelm Grimm. Leipzig, 1854 - 1954 oder Handwörterbuch der Staatswissenschaften. Jena, 1923 - 1929) vor allem zeitschriftenartige Reihen und andere Periodika erworben. Es waren damals etwa die Historische Zeitschrift. München, 1869 - 1933, die Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte. Weimar, 1880 ff., Hansische Geschichtsblätter. Köln, 1903 - 1943 oder die Annalen der Preußischen inneren Staatsverwaltung. Berlin, 1817 - 1839 als Zugang verzeichnet. Dennoch lag der Schwerpunkt der Erwerbung schon in den ersten Jahren bei der Literatur zur brandenburg-preußischen Geschichte. Bei den ca. 4000 Titeln, die in den Jahren 1951 - 1955 erworben wurden, ist knapp die Hälfte dieser Gruppe zuzuordnen, wovon einige Titel und Reihen besonders erwähnt werden sollen. In den Jahren 1951/1952 konnten von Gottfried Traugott Gallus: Handbuch der Brandenburgischen Geschichte. Bd. 1-4. Sorau, 1787 - 1797, von Christian Wilhelm Grundmann: Versuch einer Ucker-Märckischen Adels-Historie. Prenzlau, 1744, von Heinrich Ammersbach: Chur-Brandenburgische, Märckische, Magdeburgische und Halberstädtsche Chronica ... Halberstadt, 1682 sowie 33 Bände der Reihe Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte. Leipzig, 1888 - 1921 angekauft werden. Aus den Jahren 1953 und 1954 sind die Werke von Wolfgang Jobst: Ein kurzer Auszug und Beschreibung des ganzen Kurfürstentum der Mark Brandenburg. Frankfurt a.d. Oder, 1572 oder die Topographia Electoratum Brandenburgici et Ducatus Pomeraniae etc. das ist Beschreibung der vornembsten und bekantisten Stätte und Plätz in dem hochlöblichsten Churfürstenthum March Brandenburg. Franckfurt am Main, 1652 hervorzuheben. Eine quantitative und besonders qualitative Verbesserung des Bestandes brachte der Umzug des Deutschen Staatsarchivs im Jahre 1955. Bis dahin in gemeinsamen Räumen untergebracht, verblieben bei dessen Umzug in die Berliner Straße zahlreiche Dubletten sowie die Literatur zur brandenburgischen Landesgeschichte in der Orangerie. Diese qualitative Verbesserung wird vor allem bei den Reihen der Gesetz- und Amtsblätter sowie bei der Literatur zur deutschen Geschichte deutlich. Weitere Zuwächse brachten Übernahmen aus anderen Einrichtungen sowie aus privater Hand, so konnte z. B. 1959 die Bibliothek von Hermann Fürstenau übernommen werden. Bis 1960 wuchs der Bestand auf 21 970 Bände an. Der relativ große Zuwachs in den Folgejahren ist durch die Übernahme verschiedener Bibliotheken zu erklären. So wurden 1963 die Niederlausitzer Ständebibliothek aus Lübben, 1984 ein Teilbestand der Bibliothek des Instituts für Archivwissenschaft und 1997 ein Teilbestand der Bibliothek der Historischen Kommission zu Berlin sowie kleinere Teile von Gutsbibliotheken, hier handelt es sich um die Bibliotheken von Ernst von Houwald (1778 - 1845), Gutsbesitzer in Straupitz, und von Auguste Charlotte Gräfin von Kielmannsegge, geb. Gräfin von Schönberg, verwitwete Gräfin zu Lynar (1777 - 1863), auf Schloß Lübbenau, übernommen.
Im September 1959 übernahm das Brandenburgische Landeshauptarchiv die Bibliothek von Prof. Dr. Hermann E. Fürstenau als Depositum. Wilhelm Hermann E. Fürstenau (1868 - 1928) war nach seiner Tätigkeit am Amtsgericht Oranienburg und als Privatdozent in der Juristischen Fakultät der Universität Berlin zunächst außerordentlicher Professor an der Universität Berlin. Danach war er als Geheimer Regierungsrat im Kultusministerium und als Senatspräsident am Oberverwaltungsgericht tätig. Der Bestand dieser Juristenbibliothek umfasste ca. 400 Titel zum Staats- und Kirchenrecht sowie zur Kirchengeschichte in Preußen. Daneben befanden sich in ihr einige Werke der allgemeinen Kunst und Literatur und eine zahlenmäßig nicht unerhebliche Anzahl an lateinischer, griechischer, französischer und englischer Literatur in Schulausgaben. Dieser Teil wurde nach Absprache mit den Erben, die 1946/47 die Sowjetische Besatzungszone verlassen hatten, nicht in den Bestand übernommen. Bis zum Jahre 1961 wurde dieser katalogisiert, systematisch bearbeitet und in einem Verzeichnis erfasst. Die Systematik beinhaltet die Gruppen: Allgemeines, Philosophie, Kirchengeschichte, Recht, Wirtschaft- und Sozialwesen und Geschichte. 1992 konnte das Brandenburgische Landeshauptarchiv dieses Depositum weitestgehend in sein Eigentum übernehmen. Zahlreiche Titel, vor allem aus dem 17. und 18. Jahrhundert, wurden dabei an die Eigentümer zurückgegeben.
Die Geschichte dieser Bibliothek wurde von Rudolf Lehmann in der 1958 gedruckten Bestandsübersicht des Landesarchivs Lübben bzw. im Jahrbuch für brandenburgische Landesgeschichte ausführlich beschrieben, so dass hier nur ein kurzer Einblick gegeben werden soll. Die Bibliothek wurde im Jahre 1809 gegründet und zunächst im alten Ständehaus in Lübben untergebracht. Durch die bescheidenen Mittel wuchs der Bestand bis zum Jahr 1819 auf nur 271 Bände und in den nächsten dreißig Jahren auf 2191 Bände an. Eine bedeutende Erweiterung erfuhr er dabei durch den Ankauf der Bibliothek von Johann Gottlob Worbs (7. Mai 1760 - 12. November 1833, Dr. der Philosophie und Theologie, Superintendent und Pastor in Priebus, Regierungsbezirk Liegnitz) sowie durch die Übernahme eines Teilbestandes der ehemaligen Bibliothek des Klosters Neuzelle. Der Katalog, der 1849 vom Kontrolleur Krause angefertigt wurde und in 18 Abteilungen untergliedert war, hatte bis 1945 seine Gültigkeit, wobei schon 1933 der damalige Landesarchivar Stahn bemerkte, dass dieser Katalog zu einem reinen Zugangsverzeichnis verkommen sei. Die wichtigste Abteilung innerhalb dieser Systematik war die Gruppe J Geschichte, Biographie . Der erste hier verzeichnete Titel war das Werk von Caspar Abel: Preußische und Brandenburgische Reichs- und Staats-Historie, das 1735 in Leipzig erschien. Unter den 1614 verzeichneten Titeln der Gruppe J befinden sich vorwiegend Werke aus dem 18. und 19., aber auch aus dem 16. Jahrhundert wie Wenzeslaus Hagecius: Böhmische Chronica. Prag, 1596 und aus dem 17. Jahrhundert wie die Werke von Johann Dubravius: Historia Bohemica. Frankfurt a. d. Oder, 1687 und Albert Crantius: Wandalia oder Beschreibung wendischer Geschicht. Lübeck, 1600. Bis 1945 nahm der Umfang vor allem durch die sich entwickelnde Heimat- und Landesgeschichtsforschung beträchtlich zu. Jedoch erst nach der Berufung von Rudolf Lehmann zum Leiter des neugegründeten Landesarchivs Lübben im Jahr 1949 wurden die Bestände planmäßig und systematisch betreut. Die vorhandenen Titel wurden katalogisiert und in einem Verfasser-, Sach- und Schlagwortkatalog erfasst. Etliche Verluste hatte die Ständebibliothek in der Zeit von 1945 bis 1949 zu beklagen, und auch ihr von Rudolf Lehmann bedauerter Umzug nach Potsdam brachte erhebliche Einschnitte in den Bestand. Somit bleibt eine umfangreiche Revision an Hand der vorhandenen alten Bibliothekskataloge eine der künftigen Aufgaben des Bibliothekars.
Die Bibliothek des in den 50er Jahren in Potsdam ansässigen Instituts für Archivwissenschaft wurde 1984 teilweise durch das Brandenburgische Landeshauptarchiv übernommen, nämlich die hilfswissenschaftliche Gruppe, die z.T. in einem schlechten Zustand war. Die ca. 600 Titel mussten sortiert und zum Teil auch getrocknet und gereinigt werden. Danach wurden sie in einem alphabetischen Katalog erfasst und nach einer systematischen Gliederung aufgestellt. Die Hälfte dieser Teilbibliothek fällt dabei in den Bereich der Paläographie/Diplomatik (Systematikgruppe E). Unter diesen ca. 300 Titeln sind z.B. Johann Christoph Gatterers: Abriß der Diplomatik. Göttingen, 1798, Karl Falkensteins Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung. Leipzig, 1840 oder Johann Friedrich Joachims Einführung zur deutschen Diplomatik. Halle, 1748 verzeichnet. In den weiteren Gruppen, deren Umfang weitaus geringer ist, sind unter anderem Werke von Johann Hübner: Johann Hübners kurtze Fragen aus der Genealogie. Dresden, 1708, Edmund Pock: Historisch-chronologisch-geographische Tabellen vom Anfang der Welt bis auf das jetzt lauffende Jahr, ... Augsburg, 1736 und Johann Christoph Gatterer: Abriß der Heraldik oder Wappenkunde. Nürnberg, 1766 ; Abriß der Chronologie. Göttingen, 1777 nachgewiesen. Eine Aufzählung weiterer Titel, wie z.B. Bibliotheque de l ecole des chartes. Paris, 1839-1933 in der Gruppe Z oder die Realenzyklopädie für protestantische Theologie und Kirche. Leipzig 1896-1913 in der Gruppe XVI, verdeutlicht, welches Gewicht dieser Bestand für die Bibliothek des Brandenburgischen Landeshauptarchivs besitzt.
Die Historische Kommission zu Berlin, die 1959 als gelehrte historische Gesellschaft begründet worden war, unterhielt bis 1997 eine Bibliothek zu den historischen Wissenschaften. Der von den Forschungsaufgaben der Kommission geprägte Bestand, gliederte sich in die Hauptsammelgebiete Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Deutsche Kulturgeschichte, Deutsch-jüdische Geschichte, Geschichte Berlin-Brandenburgs und Preußens sowie Geschichte Deutschlands und des östlichen Europa und hatte schließlich, nachdem er durch Ankäufe, den Erwerb einzelner Privatbibliotheken und durch rege Tauschbeziehungen kontinuierlich aufgebaut worden war, eine Größe von ca. 50 000 Bänden. Große Teile wurden dem Brandenburgischen Landeshauptarchiv als Depositum übergeben, andere Teile, z. B. Bibliographische Nachschlagewerke, Geschichte Berlin-Brandenburgs und Preußens, Nachschlagewerke und Handbücher, Kulturgeschichte, Deutsch-jüdische Geschichte, verblieben als Handbibliothek bei der Historischen Kommission. Das Depositum im Landeshauptarchiv beinhaltet den Bestand zur Geschichte der Arbeiterbewegung, die Bibliothek von Rudolf Wissell, einen Teil des Zeitschriftenbestandes sowie zahlreiche unbearbeitete Bände. Der Bestand zur Geschichte der Arbeiterbewegung umfasst rund 10 000 Bände, die systematisch aufgestellt wurden und durch einen alphabetischen und systematischen Katalog recherchierbar sind. Die Systematik ist in 10 Hauptgruppen (E 0 Allgemeine Geschichte und Einzelfragen; E 1 Theoretiker; E 2 Internationale; E 3 Sozialdemokratische Partei Deutschlands; E 4 Kommunistische Partei Deutschlands; E 5 Ausländische politische Arbeiterbewegung; E 6 Andere soziale Bewegungen und Organisationen; E 7 - E 8 Gewerkschaftsbewegung Deutschlands; E 9 Ausländische Gewerkschaftsbewegungen) gegliedert, die wiederum zahlreiche Untergruppen enthalten. Die Fachbibliothek von Rudolf Wissell (1869 - 1962) beinhaltet ca. 5000 Bände vorwiegend zur Geschichte der Sozialdemokratie und Gewerkschaftsbewegung und umfasst auch eine wertvolle Spezialsammlung zur Handwerksgeschichte. Rudolf Wissell war Mitglied der Sozialdemokratischen Partei und von 1909 bis 1918 Sekretär im Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund. Von Februar bis Juli 1919 war er Reichswirtschaftsminister, von 1920 bis 1933 Abgeordneter des Reichstages und von Juni 1928 bis März 1930 Reichsarbeitsminister. 1929 wurde er Ehrendoktor der Universität Kiel und 1949 Ehrenbürger der Stadt Berlin.
Obwohl schon seit annähernd 400 Jahren nachgewiesen, wurde das Medium Zeitung erst nach der Revolution von 1848 und dem damit verbundenen Erlangen der Pressefreiheit zu einem Massenprodukt. Die Merkmale dieser besonderen Art von Druckschriften wie Universalität, Aktualität, Publizität und Periodizität sind ein Grund, warum die Zeitung erst relativ spät in die Sammlungen von Bibliotheken aufgenommen wurde. Auch führten der personelle und finanzielle Aufwand zu einer gewissen Vernachlässigung bei ihrer Beschaffung und Aufbewahrung. Erst die sprunghaft gestiegene Benutzung alter Zeitungsbestände durch die Wissenschaft (hier besonders die Kommunikationswissenschaft und die Geschichtswissenschaft) führten dazu, dass die Zeitung als geschichtliche Quelle gesehen und ihr Wert erkannt wurde. Die Zeitungssammlung des Landeshauptarchivs umfasst heute ca. 250 Titel. Sie setzt mit dem Jahr 1763 (Berlinische Nachrichten von Staats- und Gelehrten Sachen) ein. Bis zum Jahr 1848 ist der vorhandene Bestand recht klein. So sind aus dieser Zeit z.B. das Niederlausitzer Provinzialblatt (1814/1815), das Frankfurter Patriotische Wochenblatt (1811 - 1874) und das Gubener Wochenblatt (1807) zu erwähnen. Aufgrund wichtiger Erfindungen und Entwicklungen auf dem Gebiet der Papier- und Druckindustrie und der schon erwähnten politischen Veränderungen kam es nach 1848 zu einer rasanten Entwicklung des Zeitungswesens. Neben den Generalanzeigern entstanden insbesondere kleinere Zeitungen, die nur in einem lokal begrenzten Gebiet vertrieben wurden. Dies wird auch am Bestand im Landeshauptarchiv deutlich, in dem aus dieser Periode das Calauer Kreisblatt (1839 - 1942), das Cottbuser Kreisblatt (1847 - 1941), das Fürstenwalder Wochenblatt (1858/1859), das Osthavelländische Kreisblatt/Havelländische Rundschau (1849 - 1936), das Potsdamer Intelligenzblatt (1853) und das Zauch-Belziger Kreisblatt (1854 - 1933) nachgewiesen sind. Die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen nach 1945 brachten auch eine tiefgreifende Veränderung der Zeitungslandschaft mit sich. So sind im BLHA für die Jahre 1945 und 1946 nur Der Märker und der Volkswille nachgewiesen. Nach dem Zusammenschluss von KPD und SPD entwickelte sich daraus die Märkische Volksstimme, die mit ihrer Gesamtausgabe ab 1946 erhalten ist. Leider sind die für die lokale Geschichtsforschung wichtigen Lokalausgaben nur mit großen Lücken überliefert. Auch andere Tageszeitungen, wie Brandenburgische Neueste Nachrichten, Lausitzer Rundschau, Neuer Tag usw. sind auf Grund einer gewissen Geringschätzung sowie durch fehlende finanzielle Mittel nur lückenhaft überliefert. Ein weiteres, für das Archiv kaum noch zu lösendes Problem stellt der äußerst bedenkliche Erhaltungszustand vieler Zeitungsreihen dar. Umfangreiche Erhaltungs- und Restaurierungsmaßnahmen sind angesichts der hohen Kosten nicht durchführbar, so daß eine große Anzahl von Zeitungsbänden für die Benutzung gesperrt werden musste. Eine andere Möglichkeit der Bestandssicherung und -erhaltung bietet die Verfilmung wichtiger Zeitungsreihen. Das Archiv konnte das Lübbener Kreisblatt (1841 - 1941), das Strausberger Wochenblatt (1861 - 1881) und mit Hilfe der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahmen ihres Förderprogramms zur Verfilmung historisch wertvoller Zeitungsbestände die Potsdamer Tageszeitung, die Gubener Zeitung sowie die Havelländische Rundschau verfilmen. Da die Förderung durch die DFG an bestimmte Kriterien geknüpft wird, ist die Verfilmung des kompletten Zeitungsbestandes nicht möglich, so dass sich der Zustand besonders kleinere Zeitungsbestände immer mehr verschlechtert. Einen Überblick zum Bestand der brandenburgischen Zeitungen und Wochenblätter gibt die folgende Aufstellung: Amtliches Kreisblatt Beeskow-Storkow, Angermünder Kreisblatt, Angermünder Zeitung und Kreisblatt, Angermünder Tageblatt, Anzeiger für Nowawes, Brandenburger Zeitung, Brandenburgische Neueste Nachrichten, Calauer Kreisblatt, Cottbuser Anzeiger, Cottbuser Kreisblatt, Forster Tageblatt, Forster Wochenblatt, Frankfurter patriotisches Wochenblatt, Frankfurter Postzeitung, Fürstenwalder Wochenblatt, Gemeinnütziges Wochenblatt Guben, Golßener Stadtblatt, Gubener Kreisblatt, Gubener Wochenblatt, Gubener Zeitung, Havelländische Rundschau, Havelländisches Echo, Kreisblatt für das Westhavelland, Lausitzer Landeszeitung, Lebuser Kreisblatt, Lebuser Kreiszeitung, Liebenwerdaer Kreisblatt, Luckauer Kreiszeitung, Lübbener Kreisblatt, Lübbener officielles Kreis- und Intelligenzblatt, Der Märker, Märkischer Bote, Märkische Volksstimme, Märkische Zeitung, Müllroser Anzeiger, Müncheberger Wochenblatt, Müncheberger Zeitung, Neumärkisches Wochenblatt, Neuzeller Zeitung, Niederbarnimer Anzeiger, Niederbarnimer Kreisblatt, Niederlausitzer Bote, Niederlausitzer Zeitung, Niederlausitzisches Provinzialblatt, Osthavelländisches Kreisblatt, Potsdamer Intelligenzblatt, Potsdamer Tageszeitung, Potsdamer Zeitung, Sommerfelder Wochenblatt, Sorauer Tageblatt, Sorauer Wochenblatt, Spremberger Kreisblatt, Strausberger Zeitung, Streiter für Volk und Heimat, Tageblatt für den Bezirk Treuenbrietzen, Tageblatt für den Kreis Jüterbog-Luckenwalde, Teltower Kreisblatt, Templiner Kreisblatt, Treuenbrietzener Zeitung, Veltener Zeitung, Volksfreund, Volkswille, Wochenblatt des Jüterbog-Luckenwalde schen Kreises, Wochenblatt für Brandenburg, Wochenblatt für Strausberg, Zauch-Belziger Kreisblatt, Zauch-Belziger Zeitung, Zehdenicker Anzeiger, Zeitung für Nowawes, Zentralblatt der Niederlausitz. Bei der Aufzählung wurde auf eine Jahres- und Umfangsangabe verzichtet, da diese in der Bibliographie von Heinz Gittig (Brandenburgische Zeitungen und Wochenblätter: Katalog der Bestände vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart ... Berlin, 1993) verzeichnet sind.